Beim Werkzeugmaschinenbauer Trumpf in Ditzingen wird seit Juli kurzgearbeitet – und gleichzeitig qualifiziert. Das ist genau die Konstellation, die die Arbeitsagentur früher einmal untersagt hat, und die sie heute fordert und fördert. Bei Trumpf musste sie nicht viel Überzeugungsarbeit leisten: Das Unternehmen hat fast zeitgleich mit der Kurzarbeit die ersten 93 Qualifizierungsmaßnahmen gestartet, an denen bereits knapp 400 Mitarbeiter teilnehmen. Die Maßnahmen reichen von Fachseminaren über Sprachentrainings bis hin zur Persönlichkeitsentwicklung.
Auch Neueinstellungen waren in Zeiten der Kurzarbeit früher generell nicht möglich – was für Trumpf bereits unangenehme Folgen hatte: So wurden in der Krise 1993/94 drei Jahre lang keine Hochschulabsolventen eingestellt. 'Später habe ich im Unternehmen nach potenziellem Führungsnachwuchs gesucht und längst nicht genug gefunden', erklärt Dr. Gerhard Rübling. Personalgeschäftsführer und Arbeitsdirektor bei Trumpf. Derzeit stellt er deshalb ganz bewusst 20 bis 30 Absolventen ein, die in Kurzarbeit arbeiten und in den Ausfallzeiten gezielt auf ihre künftigen Aufgaben vorbereitet werden. Ein weiterer positiver Aspekt dabei, so Rübling: 'Wir können jetzt unter den Absolventen die besten auswählen.'
Mit dieser Vorgehensweise liefert Rübling ein Paradebeispiel für antizyklische Personalentwicklung, die in der aktuellen Wirtschaftskrise in Fachkreisen vielfach gefordert und von der Politik unterstützt wird. Das einleuchtende Grundprinzip dabei lautet: Unternehmen nutzen Überkapazitäten in der Belegschaft zur gezielten Aus- und Weiterbildung. Auf den Aufschwung nach der Krise sind sie dann mit gut ausgebildeten Mitarbeitern bestens vorbereitet.
Extras:- Überblick: Sieben Maßnahmen, mit denen Unternehmen kostensparend Kompetenzen entwickeln können
- Prioritäten der Personalarbeit: Ergebnisse einer Umfrage der Unternehmensberatung Kienbaum