Was war das denn nun schon wieder? Entnervt lehnt sich Axel Meeßen, Geschäftsführer beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Berlin-Brandenburg, in seinem Schreibtischstuhl zurück. Vor ihm liegt ein Stapel Unterlagen, zurückgelassen von einem Mitglied seiner Führungsriege. Dieser Mitarbeiter ist für Meeßen eine echte Herausforderung. Dauernd sitzt er vor seinem Chef und führt aus, warum er zwischen zwei Alternativen keine Entscheidung treffen kann. Entschieden werden aber muss. Für Meeßen ist die Sache klar: Der Mitarbeiter kann’s nicht, deshalb regelt er die Sache eben selbst.
Die Geschichte ist alt. Sie stammt noch aus einer Zeit als Meeßen etwas vernachlässigte, das er heute sehr wichtig für sein Business findet: Empathie. 'Um Empathie steht es richtig schlecht in den deutschen Führungsriegen', konstatiert Michael Blochberger. Der Bremer Trainer für Team- und Persönlichkeitsentwicklung begegnet in seinen Seminaren vielen Führungskräften, die quasi blind und taub für das sind, was sie an Gefühlsreaktionen bei Mitarbeitern und Kollegen auslösen. So wie der Manager, dem 40 der 50 Teams, mit denen er zusammenarbeiten musste, irgendwann die Kooperation verweigerten. 'Was ihm wie ein Affront aus heiterem Himmel erschien, hatte eine lange Vorgeschichte', erzählt Blochberger. Im Seminar schälte sich heraus, dass der Teilnehmer etwas tat, was viele Führungskollegen tun. Nämlich: Botschaften auf andere abfeuern, ohne mitzubekommen, dass sich das Gegenüber daraufhin versteift oder vor Zorn erbebt. 'Manchmal merken Führungskräfte zwar etwas von den Gefühlen, die sie auslösen. Aber sie gehen trotzdem darüber hinweg, weil sie meinen, Gefühle haben im Business nichts zu suchen. Stattdessen wiederholen sie einfach ihre Argumente', so Blochberger.
Extras:- Von Aufmerksamkeit über das Lesen von Signalen zum Handeln: 12 Tipps für mehr Empathie
- Infokasten Empathie: Was sagt die Forschung?
- Literaturtipps: Kurzrezensionen von drei Büchern über Empathie sowie Hinweis auf einen Fachartikel über Selbstführung