Wenn Saadettin Tüzün seine alte Realschule besucht, hat er eine ganz bestimmte Absicht. Er selbst bezeichnet sie als 'Motivation durch Vorbildfunktion'. Tüzun ist nämlich der lebende Beweis dafür, dass sich auch mit türkischen Wurzeln und fremd klingendem Namen in Deutschland beruflich viel erreichen lässt.
Der heute 36-Jährige absolvierte nach der Realschule auf Wunsch seiner Eltern eine Elektriker-Ausbildung. Danach hat er das Abitur nachgeholt, Elektrotechnik studiert und einen berufsbegleitenden BWL-Studiengang aufgesattelt. Seit dem Jahr 2000 arbeitet er bei einem internationalen Telekommunikationskonzern in Düsseldorf. 'Das könnt ihr auch schaffen', spornt er seine jungen Zuhörer, die Realschüler, an.
'Auch ich musste mich durchboxen und weiß, wie mühselig das sein kann', räumt Tüzün ein, der in Sachen Ausbildung und Studium weitgehend auf sich selbst gestellt war. Sein Vater kam als klassischer Gastarbeiter ins Ruhrgebiet, seine Mutter war vollauf mit der Erziehung der insgesamt sieben Geschwister beschäftigt.
Bewusst ist Tüzün auch, dass es in Unternehmen noch immer Barrieren gibt – etwa, wenn Personalverantwortliche vor ausländischen Namen zurückschrecken. Aber, so treibt er sich und alle anderen jungen Menschen mit Migrationshintergrund weiter an: 'Je höher die Qualifikation, desto unbedeutender wird die Herkunft.' Und, so weiß er zu berichten: 'Besonders große und international tätige Unternehmen sehen eine kulturell durchmischte Belegschaft immer stärker als Vorteil an.'
Was Tüzün in seiner alten Schule und – in seiner Funktion als Vorstand des deutsch-türkischen Studenten- und Akademikernetzwerkes TD-Plattform in Köln – auch an der Universität immer wieder anspricht, ist derzeit in Wirtschaft und Politik ein Dauerthema.
Extras:- Offene Personalauswahl, Mitarbeiter-Netzwerke, interkulturelle Teams u.a.: Die zehn Bausteine des Diversity Managements
- Fünf gute Gründe, warum sich kulturelle Vielfalt auszahlt
- Linktipps: Kommentierte Hinweise auf vier Webseiten mit weiteren Informationen