Jay Chiat, Präsident von Chiat/Day, einem der Hot Shops der amerikanischen Agenturszene, ist sich sicher: „Büros wie wir sie kennen, sind eine Erfindung des 19. Jahrhunderts – sie passen nicht mehr so recht in unsere Zeit.” Und der deutsche Wirtschaftsforscher Gerhard Staab sekundiert: „Das klassische Unternehmen als Organisationsform, wo sich Mitarbeiter zu festen Zeiten an einem Ort versammeln müssen, hat ausgedient.” Denn, so Richard Riordan, verkehrsbeunruhigter Bürgermeister von Los Angeles: „Warum fahren diese Leute eigentlich in die Stadt? Doch nur, um vor irgendwelchen Computern zu sitzen. Das können sie genauso gut auch zuhause.”
Wie das aussehen kann, ist Thema dieses Artikels. Er handelt von moderner Heimarbeit, Teleworkern, virtuellen Firmen und telefähigen Arbeitsplätzen. Einer Mischung aus Datenetzen und Computern, Modems und MultiMedia. Jede dieser Entwicklungen ist – für sich genommen – ziemlich brisant. Doch zusammen ergeben sie eine Zeitbombe, die direkt unter Ihrem Bürostuhl tickt. Und eine Menge einflußreicher Leute haben nichts anderes im Kopf, als diese Bombe möglichst rasch zu zünden. Und Ihr Chef reibt sich die Hände. Klammheimlich und mit gutem Grund …
Da wären zunächst die hohen Lohn- und Lohnnebenkosten: Angestellte sind ein Luxus. Ganz zu schweigen von den unflexiblen Arbeitsverhältnissen: Wer einmal auf der Payroll steht … Und schließlich die teuren Büro- und Gewerbemieten. Auch sie lassen sich drastisch reduzieren: Die US-Telefongesellschaft AT & T verkleinerte auf Grund der Telearbeit ihr New Yorker Büro von 6.500 auf 2. 400 Quadratmeter, IBM kappte seit 1991 seine Pro-Kopf-Bürofläche um mehr als 20%. Und das ist erst der Anfang!…