Ganz klar, ich bin der Boß! Mit einer bunten Fahne in der Hand stapfe ich durch den Sand der Reithalle. Die fünf schwarzen Pferde, die mich zu Tode erschrecken, beißen oder treten könnten, tun genau das, was ich will: Sie schwingen ihre riesigen zottelbehangenen Hufe und laufen vor mir weg. Nach ein paar Runden frage ich mich allerdings, was ich hier tue. Die Aufgabe, die ich bei dem Seminar 'Dominanztraining mit Friesenpferden' zu bewältigen habe, erscheint mir ebenso leicht wie sinnlos.
Erst später, als aller Seminarteilnehmer zur Besprechung im Bauwagen zusammensitzen, erschließt sich mir der Hintergrund: Es ging nicht um mich, sondern um die Pferde. Ich sollte mit meiner Fahne nur Leben in die Herde bringen, damit die anderen fünf Seminarteilnehmer das Verhalten der Vierbeiner besser studieren können. Die Friesenpferde - mit farbigen Halftern gekennzeichnet, damit sie auch der Laie unterscheiden kann - benehmen sich nämlich völlig unterschiedlich. Und Ziel der ersten Übung war es, sich erst einmal im Beobachten zu üben, bevor die Führungsfähigkeiten im direkten Kontakt mit den Pferden erprobt werden.
'Anton verhält sich ganz klar', sagt ein Seminarteilnehmer über den schwarzen Riesen mit dem blauen Halfter. Zielstrebig sei der und könne gut der Chef der Truppe sein. Die anderen nicken. An Benetton mit dem bordeaufarbenen Halfter hingegen scheiden sich die Geister. Die Einschätzungen schwanken von aggressiv über verspielt bis zurückhaltend. Allerdings sind sich alle einig, daß er gerne der Boß wäre. 'Er stellt sich aber ein bißchen dämlich an', kommentiert der Pferdebesitzer und Trainer Gerhard Krebs.
Was klingt wie eine Fachsimpelei unter Pferdeliebhabern, ist auch eine: Zu dem eintägigen Seminar am Bodensee sind fast nur Pferdefreunde gekommen, die sich über die Trainingsmethode der Krebs`schen G&K Horsedream GmbH informieren wollen…