Es gab einmal eine Zeit, da brachte die Wirtschaft den Haushalten noch Wohlstand, Bequemlichkeit und Glück. Und die Menschen fanden in ihrem Beruf ihre Erfüllung, er war ihnen Status und Lebenssinn zugleich. Die Wirtschaft prosperierte. Für die Fortsetzung der Geschichte sollte man den Wirtschaftswissenschaftler Helmut Saiger im O-Ton hören. Im Prolog zu seinem neuen Buch formuliert er:
'…Ihr Berufstätigen, sprach die Wirtschaft: Wir haben die Elektronik und Informatik, die Roboter und Computer nun entdeckt, warum sollen wir uns noch um eure Launen kümmern, um eure begrenzten Arbeitszeiten, wir brauchen jetzt viele von euch nicht mehr. Ihr Konsumenten, sprach die Wirtschaft: Wir haben den Weltmarkt entdeckt. Milliarden von Konsumenten erobern wir, da brauchen wir euer Einkommen und euren Konsum nicht mehr so sehr, warum also sollten wir euch hohe Löhne zahlen…?
Ihr Bürger, sprach der Staat: Die Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen sinken, da weniger von euch arbeiten, woher also das Geld für eure soziale Sicherung und die gewohnte Versorgung nehmen? Ihr müßt jetzt auf mehr verzichten.
Was sollen wir tun?, sprachen die Bürger.
Das ist unsere Sache nicht, sprach die Wirtschaft.[...]
Ihr müßt euch selber helfen, sprach der Staat. […]
Da begannen die Bürger, sich ihre Gedanken zu machen.'
Der Ökonom Helmut Saiger machte sich im westfälischen Lünen seine Gedanken. Meist im Wintergarten seines Instituts für Arbeitsforschung, Wirtschafts- und Kommunalberatung. Mit Blick auf den Stadtpark und die üppigen Hinterlassenschaften der Gartenschau. Die Wirtschaft, weiß Saiger, wird auch in Zukunft mehr Arbeitsplätze abbauen als neue schaffen. Die Crux dabei ist nur: 'Die gesamte Gesellschaft ist auf Erwerbsarbeit konzentriert. Und nun bricht die weg.' Dies veranlaßte in der neuen Wirtschaftsliteratur schon manchen Publizisten zu dem Schreckensszenario von einer Gesellschaft, in der 20 Prozent wohlhabend sind, und 80 Prozent haben nichts, außer Armut, Suff, Kriminalität…